Roberto Furnari

Geigenbau & Dendrochronologie

Dendrochronologie

Grundprinzip

Dendrochronologie ist eine auf dem Vergleich von Jahresringabfolgen beruhende Methode zur Altersbestimmung von Holz.

Jahresringe spiegeln das jährliche Wachstum eines Baumes wider. Ihre Breite variiert von Jahr zu Jahr aufgrund wechselnder Witterungsbedingungen, insbesondere durch Schwankungen des Niederschlags und der Temperatur. Über einen längeren Zeitraum betrachtet, bildet die Abfolge von breiten und schmalen Jahresringen ein unverwechselbares Wachstumsmuster, welches genutzt werden kann um Holz unbekannten Alters zeitlich genau einzuordnen.


Querschnitt eines Baumes mit deutlich erkennbaren Jahresringen.


Dendrochronologische Untersuchungen von Musikinstrumenten

Primäres Ziel einer dendrochronologischen Untersuchung ist die Ermittlung des frühest möglichen Entstehungsdatums eines Instrumentes. Dies ermöglicht eine objektive Überprüfung stilkritischer Expertisen.

Grundsätzlich ist zu beachten, dass ein dendrochronologisches Datum nur eine Zuordnung zu einem bestimmten Meister untermauern, jedoch niemals einen Echtheitsbeweis liefern kann.

Dagegen kann eine Urheberschaft definitiv ausgeschlossen werden, wenn z.B. das Todesdatum eines Meisters vor dem dendrochronologischen Datum liegt. In diesem Sinne stellen dendrochronologische Untersuchungen ein wichtiges Hilfsmittel bei der Aufdeckung von Fälschungen oder irrtümlichen Zuschreibungen dar.


Detailansicht einer Geigendecke. Die Decken von Geigen, Bratschen, Cellos und Kontrabässen werden i.d.R. aus Norwegischer Fichte (Picea abies) gefertigt. Diese Holzsorte eignet sich in besonderem Maße für eine dendrochronologische Untersuchung.


Methode

Im ersten Schritt einer Untersuchung wird die Breite der einzelnen Jahresringe auf ein hundertstel Millimeter genau erfasst. Die Messung erfolgt nicht direkt am Instrument, sondern mithilfe von hochaufgelösten Fotos der Decke des Instrumentes. Diese Vorgehensweise erfordert keine Holzentnahme und ist daher zerstörungsfrei.

Die erhaltene Messreihe wird mittels grafischer und statistischer Methoden mit den Daten bereits datierter Jahresringsequenzen verglichen und auf übereinstimmende Wachstumsmuster untersucht.

Bei erfolgreichem Abgleich rasten die grafischen Darstellungen der zu untersuchenden Sequenz und der Referenzsequenz ineinander ein – wie ein Schlüssel in das zugehörende Schloss – und ermöglichen eine auf das Jahr genaue Datierung.

In der Praxis wird die zu datierende Jahresringsequenz nicht mit einer einzelnen Referenz, sondern mit einer tausende von datierten Messreihen umfassenden Datenbank abgeglichen. Erst bei mehrfacher Bestätigung des ermittelten Datums gilt ein Ergebnis als gesichert.

In einigen Fällen ergibt der Abgleich mit verfügbaren Referenzdaten keine Übereinstimmungen und kann das untersuchte Holz folglich nicht datiert werden. Durch den Einsatz einer auf Resonanzholz spezialisierten Datenbank liegt die Erfolgsquote derzeit bei 80%.


Graphischer Abgleich zweier Jahresringsequenzen. Die visuelle Überprüfung von Wachstumsmustern ist ein wesentlicher Bestandteil von dendrochronologischen Untersuchungen.


Gutachten

Nach erfolgreicher dendrochronologischen Untersuchung Ihres Instrumentes stelle ich auf Wunsch ein schriftliches Gutachten aus. Dieses ist in englischer oder deutscher Sprache erhältlich und enthält u.a. folgende Angaben:

  • Das Datum des jüngsten gemessenen Jahresringes
  • Hinweise zur geografischen Herkunft des Holzes
  • gegebenenfalls eine Auflistung von Instrumenten mit übereinstimmenden Wachstumsmustern
  •  eine Interpretation bzw. Einordnung des Ergebnisses.

Falls kein ausführliches Gutachten gewünscht wird, besteht alternativ die Möglichkeit einer kurzen schriftlichen Zusammenfassung des Ergebnisses zu einem ermäßigten Tarief.


Dendrochronologische Gutachten stellen eine wertvolle Ergänzung bei der Begutachtung von Streichinstrumenten dar.